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EXTRA
«Verchachelte Situation»
Der Zigarrenhersteller Villiger fühlt sich zunehmend bedrängt. In den lauten Rufen nach Rauchverboten versucht Firmenchef Heinrich Villiger, die Stimme seines Unternehmens hörbar zu machen.«Beschneidung der persönlichen Freiheit», «vollständige Ausmerzung des Tabaks», «totalitäre Ausgrenzung der Raucher»: Das seien Ziele der Anti-Tabak-Kampagnen. Die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesamt für Gesundheit führten einen unverhältnismässigen Kampf gegen das Rauchen. Davon zeigt sich Heinrich Villiger, Chef der Villiger-Gruppe, überzeugt, und darum hat er die Medien zu einem Lunch eingeladen – um ihnen die Sicht des Zigarrenherstellers darzulegen. Zigarre ist keine Zigarette Villiger liess den Historiker Andreas Stegmeier auf die Geschichte des Tabaks und des Rauchens zurückblicken und Villiger-Geschäftsleitungsmitglied Christian Weiss erklären, warum die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Fehler macht, wenn sie Zigarren und Zigaretten denselben Gesetzen unterstellt. Weiss war hart in der Sache, aber witzig im Ton. «Tabak ist ein legales Produkt, ein Genussprodukt», sagte Weiss. Da wäre es in der Schweiz doch wünschenswert, dass anstelle von Werbeverboten «Freizügigkeit, Differenzierung und Eigenverantwortung» treten würden. Dann trat Nationalrat Ulrich Giezendanner auf – und vorbei war es mit den Rufen nach gegenseitiger Rücksichtnahme und dem Werben um Verständnis für Zigarrenraucher. Der SVP-Politiker und Raucher sprach von der «generalstabsmässig geplanten Hetze» des Staates gegen Zigaretten-, Zigarren- und Pfeifenraucher. In diesem Klima getraue sich niemand mehr, dem Staat entgegenzutreten – nur er, Giezendanner, stehe auf und kämpfe gegen die Überreglementierung: «Ich mache nicht mehr mit, wenn der Staat in meine Freiheit eingreift.» Giezendanner forderte die Raucher auf, alle öffentlichen Lokale zu boykottieren, welche «uns die Freiheit des Tabakkonsums auch noch nehmen wollen». Und hier geschah, was an Pressekonferenzen sonst sehr selten passiert: Die Zuhörerschaft applaudierte. Auch wenn sich später herausstellte, dass der Vertreter der Zürcher Wirtschaftskammer das Klatschen ausgelöst hatte, zeigte die Szene doch: Raucherinnen und Raucher fühlen sich bedrängt. Auf die Frage, ob die Zigaretten- und Zigarrenhersteller eine Kampagne zum Verständnis zwischen Rauchern und Nichtrauchern planten, sagte Villiger, er sei zurzeit der Einzige aus der Tabakindustrie, der sich der Diskussion überhaupt noch stelle – und die Situation sei «so verchachlet», dass eine solche Kampagne nicht viel bringe. Grosses Zigarrenbuffet Es gehe ihm darum zu zeigen, dass die Raucher nicht an den Rand gedrängt werden sollten. Zu den in einigen Kantonen geplanten Rauchverboten in Restaurants sagte Villiger: «Wollten wirklich 80 Prozent der Leute rauchfreie Räume, wie es in einigen Umfragen heisst, gäbe es doch viel mehr Restaurants ohne Rauch.» Und damit lud er die Medienschaffenden zum Zigarrenbuffet ein, das eine Übersicht auf die gesamte Produktepalette von Villiger bot. (Nicole Jegerlehner) (c) Berner Zeitung
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